Wer das Pergamonmuseum 2026 besuchen möchte, steht vor einer langen Wartezeit und einer wichtigen Unterscheidung: Die Wiedereröffnung erfolgt in Etappen. Die Pergamonmuseum-Sanierung betrifft nicht nur Fassaden und Haustechnik, sondern auch die Präsentation weltberühmter Monumente, die Barrierefreiheit und einen neuen Rundgang durch die Museumsinsel. Ich zeige, was bisher geschafft ist, welche Bereiche wann öffnen und warum das Projekt architektonisch so anspruchsvoll bleibt.
Die wichtigsten Etappen auf einen Blick
- 4. Juni 2027 öffnen der Nordflügel und der nördliche Mittelbau wieder.
- Der Pergamonaltar ist dann erstmals seit Jahren wieder zugänglich.
- Der Südflügel mit Ischtar-Tor und Prozessionsstraße bleibt bis voraussichtlich 2037 geschlossen.
- Ein vierter Flügel schafft künftig einen geschlossenen Rundgang durch die Architektursammlungen.
- Die Gesamtkosten liegen nach aktueller Prognose bei etwa 1,5 Milliarden Euro.
Wie weit die Arbeiten 2026 sind und wann geöffnet wird
Das Museum wird seit 2013 in zwei Bauabschnitten grundlegend instand gesetzt. Der erste Abschnitt umfasst den Nordflügel und den nördlichen Mittelbau. Baulich wurde dieser Teil im Dezember 2025 fertiggestellt, anschließend folgen noch Ausstellungseinrichtung, Restaurierung und die Fertigstellung der Besucherbereiche.
| Bauabschnitt | Bereiche | Aktueller Zeitplan |
|---|---|---|
| A | Nordflügel und nördlicher Mittelbau | Wiedereröffnung am 4. Juni 2027 |
| B | Südflügel, Südkopf, Mittelbau Süd und vierter Flügel | Bauliche Fertigstellung 2036, vollständige Eröffnung 2037 |
Mit der ersten Öffnung kehren der Pergamonaltar und der Saal der hellenistischen Architektur zurück. Außerdem wird das Museum für Islamische Kunst im Nordflügel vollständig neu präsentiert. Wer vor allem das Ischtar-Tor, die Prozessionsstraße von Babylon oder das Markttor von Milet sehen möchte, muss dagegen weiterhin bis zur Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts warten.
Seit Oktober 2023 ist das Gebäude komplett für den Publikumsverkehr geschlossen. Diese vorübergehende Einschränkung wirkt lang, ist bei einem Museum mit fest eingebauten Großrekonstruktionen aber nachvollziehbar. Die monumentalen Exponate können nicht einfach ausgeräumt und später wieder aufgestellt werden.
Warum dieses Gebäude so schwer zu sanieren ist
Das Pergamonmuseum wurde 1930 eröffnet und erhält nun seine erste grundlegende Instandsetzung. Über Jahrzehnte kamen Kriegsschäden, uneinheitliche Reparaturen, veraltete Installationen und ein erheblicher Sanierungsstau zusammen. Viele Bauteile lassen sich erst zuverlässig beurteilen, wenn Wände geöffnet, Räume geräumt und historische Schichten sichtbar werden.
Besonders anspruchsvoll ist die Verbindung von Baustelle und Sammlung. Der Pergamonaltar, die Prozessionsstraße und weitere Architekturen verbleiben teilweise im Gebäude. Deshalb gelten sehr niedrige Grenzwerte für Erschütterungen und Setzungen. Jeder Eingriff in Gründung, Decken oder Wände muss so geplant werden, dass die empfindlichen Originale und Rekonstruktionen keinen Schaden nehmen.
Auch die Lage verschärft die Aufgabe. Eine stark befahrene Bahntrasse verläuft nur wenige Meter vom Nordflügel entfernt, während Spree und Kupfergraben die Baustelle räumlich begrenzen. Lagerflächen und Kranstandorte sind knapp. Ich halte diesen logistischen Faktor für einen der am häufigsten unterschätzten Gründe für lange Bauzeiten bei historischen Museumsprojekten.
Hinzu kommen moderne Anforderungen an Brandschutz, Klimatisierung, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Ein Museum für antike Architektur braucht stabile Temperatur- und Feuchtewerte, darf aber zugleich nicht wie ein technischer Neubau wirken. Genau diese unsichtbare Infrastruktur entscheidet später darüber, ob die Räume dauerhaft funktionieren.

Welche Architektur nach der Sanierung sichtbar wird
Der vierte Flügel schließt den Rundgang
Die wichtigste architektonische Ergänzung ist ein vierter Flügel zwischen Nord- und Südflügel. Die Idee geht auf die Planungen von O. M. Ungers zurück. Der neue Baukörper wird als gläserne Vitrine gedacht und soll die bisherige Dreiflügelanlage zu einem geschlossenen Rundgang erweitern.
Das ist mehr als eine zusätzliche Ausstellungsfläche. Besucher sollen die monumentalen Architekturen künftig in einer annähernd chronologischen Folge erleben können, ohne zwischen getrennten Gebäudeteilen zurücklaufen zu müssen. Im neuen Flügel sind außerdem Großarchitekturen des Ägyptischen Museums und eine Teilrekonstruktion der Palastfassade von Tell Halaf vorgesehen.
Historische Atmosphäre mit neuer Technik
Im Saal des Pergamonaltars und im Saal der hellenistischen Architektur bleiben wesentliche Elemente des historischen Präsentationskonzepts erhalten. Neue Wandfarbtöne und eine präzisere Beleuchtung sollen ein mediterranes Raumgefühl erzeugen, während die Exponate stärker aus ihrer Umgebung heraus sichtbar werden.
Aus meiner Sicht liegt darin eine der überzeugendsten Entscheidungen des Projekts. Eine vollständige Modernisierung hätte die Wirkung dieser Räume leicht neutralisieren können. Stattdessen wird versucht, die Atmosphäre von 1930 mit heutiger Licht- und Museumstechnik weiterzuentwickeln.
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Die Museumsinsel wächst unterirdisch zusammen
Ein weiterer Baustein ist die unterirdische Archäologische Promenade. Sie soll das Pergamonmuseum mit dem Bode-Museum, dem Neuen Museum und der James-Simon-Galerie verbinden. Für Besucher entsteht dadurch eine bessere Orientierung, für die Museumsinsel ein zusammenhängender Erschließungsraum.
Auch außen wird umgebaut. Der Pergamonsteg über den Kupfergraben erhält eine neue Treppenanlage und zwei barrierefreie Aufzüge. Photovoltaik auf dem Glasdach des Südflügels und auf dem Dach des vierten Flügels soll die Umweltbilanz verbessern. Für den Bestand ist der Effizienzstandard EGB 55 vorgesehen, der Neubau des vierten Flügels soll den Standard EGB 40 erreichen.
Was Besucher 2027 tatsächlich sehen können
Die erste Wiedereröffnung wird umfangreich, aber nicht vollständig sein. Wer ein Ticket für 2027 plant, sollte deshalb genau prüfen, welche Sammlung gemeint ist. Die folgende Übersicht trennt die zugänglichen Bereiche von den Teilen, die weiter auf ihre Fertigstellung warten.
| Ab 2027 zugänglich | Voraussichtlich erst ab 2037 |
|---|---|
| Pergamonaltar | Ischtar-Tor |
| Saal der hellenistischen Architektur | Prozessionsstraße von Babylon |
| Neu präsentierte Sammlung des Museums für Islamische Kunst | Markttor von Milet |
| Interimistische Auswahl des Vorderasiatischen Museums | Hauptpräsentation des Vorderasiatischen Museums |
Das Museum für Islamische Kunst erhält 25 neue Ausstellungsräume. Zu den Höhepunkten gehören die Mschatta-Fassade, das Aleppo-Zimmer und die Alhambra-Kuppel. Das Vorderasiatische Museum zeigt zunächst ein Schaufenster mit ausgewählten Objekten, darunter eine mehr als sechs Tonnen schwere Siegesstele. Die vollständige Neupräsentation folgt erst im Südflügel.
Für Gruppen sollen Buchungen nach aktuellem Stand ab dem 1. Juli 2026 möglich sein. Bei individuellen Besuchen würde ich die offiziellen Öffnungs- und Ticketinformationen kurz vor der Reise prüfen, weil sich Einlasswege, Zeitfenster und Besucherführung bis zur Eröffnung noch ändern können. Während der Schließzeit bleibt außerdem das Asisi-Panorama als alternative Annäherung an den Pergamonaltar geöffnet.
Was das Projekt kostet und warum die Zeitplanung wichtig ist
Der zweite Bauabschnitt wird mit rund 722,4 Millionen Euro veranschlagt. Zusätzlich sind etwa 295,6 Millionen Euro für Risiken und mögliche Baupreissteigerungen vorgesehen. Für das Gesamtprojekt wird aktuell mit ungefähr 1,5 Milliarden Euro gerechnet, die der Bund finanziert.
Die Summe umfasst nicht nur neue Vitrinen oder eine attraktivere Ausstellung. Sie deckt unter anderem die Sicherung der Gründung, die Sanierung von Außenwänden, Fenstern und Glasdächern, neue Gebäudetechnik, Schadstoffbeseitigung, Brandschutz und barrierefreie Erschließung ab. Ein großer Teil der Kosten verschwindet also später hinter Wänden und Decken, ist für den dauerhaften Museumsbetrieb aber unverzichtbar.
Das BBR weist darauf hin, dass bei Arbeiten im Bestand zusätzliche Schäden und Abweichungen entdeckt wurden. Dazu kommen gestiegene Lohn- und Materialpreise sowie veränderte gesetzliche Anforderungen. Die lange Laufzeit ist deshalb nicht allein ein Zeichen schlechter Planung. Bei einem Projekt, das sich über Jahrzehnte erstreckt, ändern sich technische Standards, Auftragnehmer und Nutzungsanforderungen fast zwangsläufig.
Trotzdem bleibt Kritik an Kosten und Dauer berechtigt. Für mich ist der entscheidende Maßstab, ob die Sanierung am Ende einen dauerhaft funktionierenden Museumsbau schafft und nicht nur einen repräsentativen Eröffnungstermin. Gerade bei denkmalgeschützten Gebäuden ist eine realistische Planung mit Reserven sinnvoller als eine niedrige Anfangssumme, die später mehrfach korrigiert werden muss.
Warum sich das Warten aus architektonischer Sicht lohnt
Wer 2026 nach Berlin reist, sieht das Pergamonmuseum vor allem als Baustelle und kann nur auf digitale Angebote oder Ausweichpräsentationen zurückgreifen. Ab Juni 2027 wird sich der Besuch wieder lohnen, allerdings zunächst mit einem klar begrenzten Rundgang. Die vollständige Wirkung des Hauses entsteht erst, wenn auch der Südflügel und der vierte Flügel geöffnet sind.
Die Sanierung bewahrt damit nicht bloß bekannte Einzelstücke. Sie verändert, wie Besucher Architektur, Sammlung und Museumsgebäude als zusammenhängenden Raum erleben. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung des Projekts: Aus einem berühmten, aber technisch überalterten Museum soll ein belastbarer Kulturort werden, der seine historische Wucht behält und trotzdem für die nächsten Generationen funktioniert.